Was uns der Facebook-Film über Social Media sagt

30

September

2010

Filmkritik und Lehre.Mehr Friends als Mark Zuckerberg zu haben, ist fast ausgeschlossen. Eine erstaunliche Vielzahl seiner Weggefährten und Freunde außerhalb der virtuellen Welt verkehrt mit dem Facebook-Wunderkind jedoch per Anwalt. Was sagt uns das über seine virtuelle Welt?
Über Menschen, die als besonders erfolgreich gelten, ranken sich auch schnell Geschichten mit schalem Beigeschmack. Man könnte meinen, es wäre eben ein Nebenprodukt des Erfolges. Vielleicht ist es aber ein Folge des schnellen Erfolges, der andere Voraussetzungen hat, als der nachhaltige Erfolg. Mark Zuckerberg ist erst 26 Jahre alt und vielleicht schon über den Zenith seiner Macht hinweg. Das ist sogar für Leistungssportler früh, für Harvard drop outs erst recht.

Manch einer ließ schon mit unter 30 eine Autobiographie schreiben, auf ein im Kino verfilmtes Leben haben es noch wenige gebracht. Selbst 60jährige sollen schon über solche Machwerke gemeint haben, dass sie ja noch nicht tot wären. Wer den Film Social Media gesehen hat, weiss, dass auch der Facebook-Gründer gerne auf die zweifelhafte Ehre verzichtet hätte.

Wie bei fast allen großen Dingen steht am Anfang die Liebe, in dem Fall die enttäuschte, die den nicht wohlhabenden, aber hochintelligenten Außenseiter in der noblen und standesbewussten Harvard University anspornte. The Facebook legt mit der Wahl der Campus-Schönheit über Nacht die Server lahm und zeigte von Anfang an das Potential für Großes und Erniedrigendes.

Sympthomatisch erscheint, dass Zuckerberg Rache für die Demütigung durch seine Angebetete wollte und die Dame seines Herzens mit Blogbeiträgen aus dem stillen Kämmerlein blossstellte. Ein Vorgang für den Facebook täglich tausendfach verwendet wird, bis hin zu gerichtlich strafbarer Verleumdung.

Die erste Lehre für Social Media ist daher: Social Media sind nicht besser, als die Gesellschaft, sie bilden sie in ihren Untiefen ab. Sie machen die Untiefen jedoch wesentlich leichter, schneller und breiter zugänglich, wodurch sie uns so extrem vorkommen.
Wer auf Facebook ist, muss damit rechnen, dass schlecht über ihn gesprochen wird. Die Verbreitung ist zudem schneller und breiter, als auf einem Schulhof.

Mark Zuckerberg erscheint in dem Film als wenig angenehmer Zeitgenosse, der allerdings seine Ziele schon klar verfolgt, bevor er sie genau kennt. Man könnte das auch als Sturheit bezeichnen. Nur so ist es zu verstehen, dass er hunderte Millionen Dollar persönlch abgelehnt hat, um weiter an seiner Idee zu arbeiten.

Die zweite Lehre für Social Media ist, dass man sich auf dem eingeschlagenen Weg nicht beirren lassen sollte. Man muss auch kein guter und netter Mensch mit vielen echten Freunden sein, um in sozialen Netzwerken erfolgreich zu sein. Wenn eine Sache überzeugend und umfassend durchgeführt wird, ist ihre Chance auf Erfolg groß – unabhängig davon wie abwegig oder nutzlos sie erscheinen mag.

Die dritte Lehre für Social Media folgt sogleich, denn die Wahrscheinlichkeit, dass man beim sturen Verfolgen seiner Idee nicht zum Erfolg kommt, ist sehr groß. Tausende „Doch-nicht-Zuckerbergs“ säumen den Web-Pfad. Durch Social Media werden sie umso schneller abgeurteilt. Optimisten denken an den Spruch des Regisseurs Cecil B. DeMille, der über einen seiner Filme meinte: “ We worked 10 years for this overnight succes.“

Es ist eben und gerade auch in Social Media nicht alles so, wie es auf den ersten Moment scheint. Es gelten doch die gleichen Grundregeln für jegliche Form der zwischenmenschlichen Kommunikation. Irgendwie doch beruhigend.

Den Film ist jedenfalls jedem Vertreter der Kommunikationsbranche wärmstens empfohlen. Er ist technisch gut gemacht, kritisch und beschreibend, mit dem nötigen Abstand. Er zeigt die Faszination von Facebook ebenso, wie die spannende Geschichte der Entstehung und ist lehrreich in Sachen Kommunikation on- und offline mit und ohne Krise.

Wen es gar nicht interessiert, der nimmt zumindest ordentlich Smalltalk-Stoff mit und sieht Sänger Justin Timberlake als gekonnten Darsteller, der übrigens nicht Zuckerberg, sondern Net-Legende Sean Parker spielt.

The Social Network
Regie: David Fincher (Alien3, Fight Club, Panic Roon, The Game,…)
Darsteller: Jesse Eisenberg, Andrew Garfield, Justin Timberlake,…
Drehbuch: Aaron Sorkin
Executive Producer: Kevin Spacey
Sony Picturess
121 Minuten
ab 6 Jahren

Ab 8. Oktober im Kino, OV im Haydn Kino

www.500millionenfreunde.de
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Kritiken:
Filmering
Der Spiegel

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