Umgekehrte Pressekonferenz mit „Der Standard“-CvD Thomas Mayer

28

März

2009

»OBSERVER«-Cercle. Thomas Mayer, Chef vom Dienst des „Standard“, stand Kunden und Partnern des Medienbeobachtungsunternehmens im Rahmen des »OBSERVER«-Cercle fast zwei Stunden lang Rede und Antwort.
„Presseaussendungen sind immer zu lang und zu wenig präzise,“ ging Thomas Mayer, seines Zeichens Chef vom Dienst der Tageszeitung „Der Standard“ bei der zweiten umgekehrten Pressekonferenz des »OBSERVER« mit den anwesenden PR-Vertretern hart ins Gericht. Mayer, Gründungsmitglied der von Oskar Bronner ins Leben gerufenen Blatts, ist nach „News“-Chefredakteur Atha Athanasiadis erst der zweite Journalist, der sich im Rahmen des »OBSERVER«-Cercle den Fragen der PR-Verantwortlichen in Agenturen und Unternehmen stellte: Fragen über Arbeitsalltag, Arbeitsweise, Abläufe und Einstellungen zur PR-Branche.

 

„Der Standard“-Chef vom Dienst Thomas Mayer mit »OBSERVER«-Geschäftsführer Mag. Florian Laszlo bei der zweiten Auflage der umgekehrten Pressekonferenz im Rahmen des »OBSERVER«-Cercle.

Boulevardzeitungssterben

Mayer, studierter Philosoph und Germanist aus Graz, war 1988 von Oskar Bronner zur Zeitungsneugründung geholt worden, wo er seit nunmehr 21 Jahren tätig ist. Heute wie damals ist „Der Standard“ Mayer zufolge „die Zeitung, die wir immer machen wollten“. Eine Zeitung, die aus einer ähnlichen Motivation heraus gemacht werde, wie die „New York Times“, deren Credo es ist, ihren Lesern „All the news that’s fit to print“ zu servieren.

Apropos „New York Times“: Um die Zukunft der Qualitätszeitungen macht sich Mayer in der aktuellen Wirtschaftslage zwar auch sorgen, aber noch viel um den Boulevard: „Ich glaube, dass es ein großes Boulevardzeitungssterben geben wird – nicht nur in Österreich.“ Aus Mayers Sicht werde die Marke eines Medium immer wichtiger: „Ich verwende das Wort Produkt in Zusammenhang mit einer Zeitung nicht gerne, aber der „Der Standard“ ist ein Markenprodukt und nicht irgendeine Zeitung.“ Ein Faktor, der gerade in der Krise den Unterschied machen werde.

 

„Der Standard“-Chef vom Dienst Thomas Mayer im Rahmen der umgekehrten Pressekonferenz: „Presseaussendungen sind immer zu lang und zu wenig präzise!“

Überraschende PR-Erlebnisse

„Grauenhaft“ nannte Mayer das, womit man die Redaktion da mitunter von PR-Stellen und -Agenturen konfrontiere. Der langjährige „Standard“-Redakteur wusste von PR-Beratern zu berichten, die wegen der Teilnahme an einer Pressekonferenz gleich mehrere Redakteure eines Blatts telefonisch kontaktieren. Und von PR-Agenturvertretern, die den Zeitdruck von Journalisten komplett missachtend am Telefon erst über Umwege auf den Punkt kommen. Oder von PR-Aussendungen, die mit unzähligen Attachements sowie Bildern mit 30 Megabytes gespickt sind. „Mein diesbezüglicher Rekord liegt bei 45 MB,“ erinnert sich Mayer nicht ohne Schrecken und bat die rund 60 lauschenden PR-Vertreter von derartigen Überraschungen Abstand zu nehmen. Die wohl wichtigste Empfehlung des „Standard“-Chefs vom Dienst bezog sich allerdings auf die inhaltliche Ebene und ist klar wie einleuchtend: „Produzieren Sie für den jeweiligen Journalisten und das jeweilige Medium adäquate PR.“ Dann – so Mayer – sei die Chance, dass ein Thema auch den Weg ins Blatt finde, ungleich höher.

Nicht vorgesehene Geschenkannahme

Nur wenig Zuneigung empfindet Mayer für Advertorials und Medienkooperationen: „Über die wird in der Redaktion immer viel und hart diskutiert.“ Weil die Grenzen zwischen Anzeigen und Redaktion verschwimmen, aber auch weil man deren generelle Wirkung bezweifelt: „Lesen das die Leser überhaupt? Und glauben die Leser, was sie da lesen? Ich glaube, dass diese Art der Kommunikation langfristig funktioniert“, findet Mayer.
Zum Beziehungsgeflecht von PR und Journalismus und den heiklen Themen Geschenkannahme meinte der „Standard“-CvD: „Bei uns gibt es einen klaren Verhaltenskodex: Wir dürfen keine Geschenke annehmen. Zu Weihnachten etwa führt man die Geschenke dem Kollektiv zu, mit dem positiven Nebeneffekt von Ressortweihnachtsfeiern.“ Was Einladungen zu opulenten Dinners betrifft, gelten die nämlichen Prinzipien: Davon sollte man als „Standard“-Redakteur Abstand nehmen, genauso wie es sich für einen Redakteur, der über die Börsen berichtet, nicht selbst spekulieren sollte.

Übrigens: Zur nächsten umgekehrten Pressekonferenz dürfen wir im Rahmen des »OBSERVER«-Cercle „Die Presse“-Chefredakteur Michael Fleischhacker begrüßen. Einladung folgt!

 

Dicht gedrängte Reihen bei der zweiten umgekehrtenPressekonferenz im Rahmen des »OBSERVER«-Cercle: Mehr als 70 Besucher lauschten den Ausführungen von „Der Standard“-Chef vom Dienst Thomas Mayer.

Kommentare zu diesem Artikel

Sorry – als gebürtiger Österreicher / in kann man Ihre Meinungen ( Flüchtlinge ) niemals teilen ! Sollten Sie eigene Kinder haben , werden diese dann keine glückliche Zukunft in Österreich haben . Glücklicherweise ist das nur Ihre Meinung auf vergänglichen Papier !

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