Über die Illusion, die neuen Medien kontrollieren zu können

04

Juni

2013

Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen referierte auf Einladung der PR-Agentur Ecker & Partner über „den entfesselten Skandal im digitalen Zeitalter“.

Bernhard Pörksen sprach Ende Mai im Rahmen des Business Breakfast bei der PR-Agentur Ecker & Partner zum Thema „Der entfesselte Skandal oder die Illusion, die neuen Medien kontrollieren zu können“. Der renommierte Professor für Medienwissenschaft und Experte für Skandale und Medienpolitik skizzierte Charakteristika, Auswirkungen, Akteure und Spielarten eines digitalen Skandals und brachte aktuelle Beispiele aus der Politwelt und Reaktionen von Akteuren, die sich plötzlich im Auge eines Shitstorms bzw. auf der Bühne der „medialen Erregungsarena“ wiederfinden. Sein Fazit: Das digitale Zeitalter mit seiner enormen Geschwindigkeit von Verbreitungs-Kanälen bringt neue Anforderungen für den kommunikativen Umgang mit Skandalen.

 Der Skandal ist da, ein über Jahrzehnte mühsam aufgebauter Ruf weg, die bislang treuen Fans und Kunden plötzlich auf „der anderen Seite“ – was nun?

Prof. Pörksen zeichnet ein Bild einer globalen und emotionalen Entfesselungs-Industrie, die von schneller Dynamik, vielen Akteuren und neuen Medien bestimmt wird – die Zeichen einer neuen (digitalen) Zeit, der niemand entkommt. Denn Reputation war noch nie so schnell weg wie heute – und das nachhaltig. „Egal ob Marken, Personen oder Staaten, im neuen Zeitalter der Sozialen Medien sind wir alle unter permanenter Beobachtung und können durchaus Gefahr laufen, uns – auch ungewollt und unschuldig – mitten in einem Skandal zu befinden. Ausgestattet mit der ,neuen Allzweckwaffe der Skandalisierung‘, dem Smartphone, kann jeder jederzeit zum Player in der neuen ,Erregungs-Arena‘ werden“, so Prof. Dr. Bernhard Pörksen.

In einer Zeit, wo sich der klassische 3-Schritt-Skandal-Ablauf: „Normverletzung – redaktionelle Berichterstattung – Publikumsreaktion“ sich klassisch umkehrt, und jeder zum potenziellen Auslöser bzw. Aufdecker eines Skandals – sei es über Facebook, Blogs oder Twitter bzw. einem simplen Handy-Foto – oder Video werden kann, ist guter Rat oftmals teuer. „Wir erfahren eine neue ,kalkulierbare Unkalkulierbarkeit‘ bzw. eine Art von ,zuverlässiger Überraschung‘. Wir kennen die Mechanismen der (digitalen) Medien und sind uns sehr wohl bewusst, welch (Un-)Möglichkeiten des Skandalpotenzials sie bieten; aber wen und vor allem wann der nächste Skandal bzw. Shitstorm über uns herein bricht, kann niemand voraussagen“, so Pörksen weiter. Seine Conclusio bzw. sein  „Vorbeuge-Rezept“ für eine Medien-Strategie im digitalen Zeitalter ist ein neues, durchaus normatives „Prinzip des Bühnenbewusstseins“: „Sei immer eingedenk, dass auch in halb-offiziellen Kommunikations-Anlässen, die öffentlichen Effekte deines Handelns auch nachhaltig vertretbar sind.“

„Ausgestattet mit der ,neuen Allzweckwaffe der Skandalisierung‘, dem Smartphone, kann jeder jederzeit zum Player in der neuen ,Erregungs-Arena‘ werden“, erklärt Prof. Dr. Bernhard Pörksen.

Kommentar hinterlassen