PR Lions 2012: Die besten Arbeiten im Überblick (Teil 2)

30

August

2012

»OBSERVER« blickt auf die diesjährigen Cannes Lions zurück und präsentiert Ihnen in einer zweiteiligen Serie die herausragendsten – also die mit Gold ausgezeichneten – PR-Kampagnen des Jahrgangs 2012. Teil 1 lesen Sie im August-Letter des »OBSERVER.

Vor dem libanesischen Gesetz sind Männer und Frauen nicht gleich. Die diskriminierenden Gesetze reduzieren Frauen also zu „halben Staatsbürgern“. Wenn es einen Mann braucht, um eine volle Staatsbürger geworden, dann soll das so sein, dachten sich die Aktivistinnen und forderten ihre weiblichen Mitbürgerinnen dazu auf, ihre Profilfotos auf Facebook mit einem Schnurrbart zu versehen und ihr Geschlecht auf männlich zu ändern. Das Motto der Aktivistinnen: „No rights, no woman. Am 8. März, dem Internationalen Frauentag, gingen Frauen als Männer verkleidet zur Arbeit und trafen sich abends zu einer groß angelegten Demonstration vor dem Parlament, über die unter anderem in den Abendnachrichten berichtet wurde. Und nicht nur das: Auch die Presse berichtete eifrig und tatsächlich wurden die Gesetze im Libanon sieben Monate später so abgeändert, dass Frauen Männern nun weitgehend gleichgestellt sind. Zu sehen hier.

Der Yasuni ITT Park in Ecuador ist eine der artenreichsten Weltgegenden der Welt. Der Reichtum beschränkt sich aber nicht nur auf Flora und Fauna, unter der Oberfläche des Yasuni ITT Park schlummern unendliche Ölmengen, etwa 846 Millionen Barrel Rohöl, die ungefähr 7,2 Millionen US-Dollar wert sind. Für Ecuador wäre die Erschließung also ein Riesengeschäft, für den Rest der Welt wäre die notgedrungene Zerstörung des einzigartigen Mikrokosmos eine ökologische Katastrophe. Die Regierung von Ecuador startete eine Kampagne, die im International Environmental Summit gipfelte, bei dem sowohl der ecuadorianische Präsident als auch Umweltaktivist Al Gore zugegen waren und sprachen. Die Idee: Innerhalb weniger Monate 100 Millionen US-Dollar zu sammeln, damit Ecuador nicht gezwungen ist, im Yasuni ITT Park nach Öl zu bohren. Dank vielen Spenden von Privatpersonen, Staaten und NGOs kamen insgesamt 116 Millionen US-Dollar zusammen – der Yasuni ITT Park in Ecuador bleibt also weiter bestehen. Zu sehen hier.

Kostenlose Musik ist in Zeiten von YouTube, Spotify, Grooveshark oder SoundCloud zur Norm geworden. Um die Vorfreude auf eine neue Single zu erhöhen und den Wert eines Musikstücks in den Vordergrund zu rücken überlegten sich der schwedische Hip-Hop-Künstler Adam Tensta und die betreuende Agentur eine Musiktitel zu kreieren, den sich zu einer bestimmten Zeit nur ein Mensch auf der Welt anhören kann: den One Copy Song „Pass it on“. Man musste sich also hinten in der virtuellen Schlange anstellen, wenn man den Titel hören wollte. Die Geschichte des One Copy Songs sorgte für die entsprechende Aufmerksamkeit in den Medien, die Zahl der Facebook-Fans von Adam Tensta erhöhte sich um das 20-fache. Zu sehen hier.

The Peres Center for Peace ist eine regierungsunabhängige Organisation, die von dem Nobelpreisträger Shimon Peres gegründet wurde. Ihr Ziel ist es, eine Infrastruktur für Frieden und Versöhnung unter der Mitwirkung von und für die Menschen im Mittleren Osten aufzubauen. So sollen sozialwirtschaftliche Entwicklung, Zusammenarbeit und Verständnis gefördert werden. Die vom Peres Center for Peace initiierte Aktion „Blood relations“ diente dazu, die schier unüberwindbaren Barrieren zwischen Israelis und Palästinensern abzubauen, indem von beiden Nationalitäten Blut gespendet wird, das dann von der jeweils anderen Nationalität genutzt wird. Das Medieninteresse war riesig: nicht nur national, sondern auch international: NBC, BBC und Co berichteten von der ungewöhnlichen Aktion für den Frieden. Zu sehen hier.

Das holländische Kaufhaus Hema sah sich im Pushup-BH-Segement mächtigen Konkurrenten wie Hunkemüller (aus Holland) oder Victoria’s Secret (USA) gegenüber und wollte trotzdem eine Kampagne lancieren, die für hohe Aufmerksamkeit in der Bevölkerung generell und der weiblichen Zielgruppe im Speziellen sorgen sollte. Der Clou: Man bediente sich nicht eines weiblichen Modells, das die Vorzüge des Pushup-BHs Marke Hema demonstrieren sollte, sondern eines männlichen Modells: des androgyen Kroaten Andrej Pejic. Wenn der Pushup-BH von Hema selbst bei einem Mann die Körbchengröße massiv vergrößern kann, dann bei einer Frau wohl allemal. Den Medien gefiel die Geschichte, und zwar nicht nur in Holland, sondern rund um den Globus. Zu sehen hier.

Die Art Series Hotels sind eine Luxuhotelkette in der australischen Metropole Melbourne. Jedes einzelne Hotels widmet sich einem australischen Künstler, dessen Arbeiten auch in dem jeweiligen Hotel ausgestellt ist. Um die Auslastung in den ruhigeren Sommermonaten zu erhöhen, lancierte die Hotelkette eine PR-Kampagne mit folgendem Dreh. Wenn es einem Hotelgast, der in einem der Art Series Hotels übernachtet, gelingt, ein Werk des Künstlers Banksy aus dem Hotel zu entwenden, ohne dabei erwischt zu werden, geht das jeweilge Objekt im Wert von rund 15.000 US-Dollar in den Besitz des Entwenders über. Die Medien in Australien, aber auch international widmeten sich der ungewöhnlichen Aktion. Insgesamt wurde die Kampagne „Steal Banksy“ über 300 Mal in den Medien erwähnt. Zu sehen hier.

Die Burgerkette Wimpy wollte sehbehinderte Menschen wissen, dass beim Wimpy’s nun Braille-Menüs angeboten werden. Um dem ganzen einen gewissen Spin zu verleihen, bot Wimpy’s erstmals Braille-Burger an, auf derer Oberseite der Sesam so angebracht war, dass sich daraus Worte ergeben. Wimpy’s lieferte die Braille-Burger an die drei größten Organisationen für Sehbehinderte aus, womit 1,2 Millionen Menschen mit Sehbehinderung erreicht wurden. Den Medien gefiel die Geschichte natürlich, die Media-Coverage war dementsprechend groß. Zu sehen hier.

Der Grand Prix bei den PR Lions, der aus dem Kreis der mit Gold ausgezeichneten Kampagnen ausgewählt wird, ging an die Agentur JWT San Juan im Auftrag des Bankinstituts Banco Popular de Puerto Rico. Agentur und Auftraggeber hatten die berühmteste Salsa-Como, El Gran Combo, gebeten, einen ihrer populärsten Songs, der davon handelt, dass es wunderschön ist, nichts zu tun, umzuschreiben und neu herauszubringen. El Gran Combo machte sich kurzerhand ans Werk und brachte den jedem Puerto Ricaner bekannten Salsasong mit neuem Text heraus. Diesmal geht es nicht darum, faul zu sein, sondern stets nach vorne zu schauen und fleißig zu sein. Der tiefere Sinn der Kampagne des Bankinstituts Banco Popular de Puerto Rico war es, die Wirtschaftsleistung des Landes anzukurbeln. Die Media-Coverage in Puerto Rico war riesig, die Aufmerksamkeit der gesamten Landes war der Banco Popular de Puerto Rico sicher. Und noch dazu schaffte es die beliebte Melodie einmal mehr an die Spitze der Hitparade in Puerto Rico. Zu sehen hier.

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