OMV und MAFO-Institut Integral präsentieren „Monitor Wirtschaftsjournalismus“

26

Februar

2014

Wie geht es dem österreichischen Wirtschaftsjournalismus? Warum gelingt es, trotz schwieriger Rahmenbedingungen nach wie vor gute Arbeit zu leisten? Und was halten Wirtschaftsjournalisten von den jüngsten Entwicklungen in ihrer Branche? »OBSERVER« hat die OMV-Studie „Monitor Wirtschaftsjournalismus“ etwas genauer unter die Lupe genommen.

„Bestandsaufnahme des österreichischen Wirtschaftsjournalismus und die Beantwortung der Frage, was guten Wirtschaftsjournalismus ausmacht. Weiters werden die Arbeitsbedingungen erhoben und die Frage erörtert, ob guter und fairer Journalismus unter den aktuellen Umständen möglich ist“. So lautete die Zielsetzung der vom Marktforschungsinstitut Integral durchgeführten Studie „Monitor Wirtschaftsjournalismus“ im Auftrag der OMV. Die Methode der Ende Jänner vorgestellten Studie basiert auf einer Kombination aus quantitativer telefonischer Studie und persönlichen Opinion-Leader-Interviews zur qualitativen Vertiefung.

Genauigkeit, Fachwissen, Unabhängigkeit und Vermittlungskompetenz

Guter Wirtschaftsjournalismus zeichnet sich – so das zentrale Ergebnis der Studie – aus Sicht der heimischen Wirtschaftsjournalisten durch Genauigkeit, Fachwissen, Unabhängigkeit und Vermittlungskompetenz aus. Bei der Beantwortung der Frage, ob die erforderlichen Voraussetzungen für qualitativ hochwertigen Wirtschaftsjournalismus in Österreich gegeben sind, zeigt sich kein einheitliches Bild. Einig ist man sich jedoch darin, dass ein konkretes wirtschaftsjournalistisches Ausbildungsangebot fehlt und das wesentliche Rüstzeug durch Training-on-the-Job erworben wird.

2 von 3 Wirtschaftsjournalisten haben ein Studium oder eine FH absolviert (Wirtschaftswissenschaftliche Studienrichtungen und Publizistik dominieren), rund 6 von 10 eine fachspezifische journalistische Ausbildung. Die Jobaussichten für Neueinsteiger werden als schlecht gewertet. Viel zu viele Einsteiger rittern um die wenigen vorhandenen Stellen. Für viele Jobanwärter bleibt nur die Tätigkeit als Freier Journalist – aufgrund des starken Verfalls der Honorare mit tristen finanziellen Perspektiven. Ein differenziertes Bild zeigt sich hinsichtlich der Motivatoren für die Berufswahl. Hier spielen das persönliche Interesse und Begabungen eine große Rolle. Das Aufdecken von Missständen scheint lediglich eine von mehreren Antriebsfedern zu sein.

Imageprobleme und bescheidene Arbeitsbedingungen

Als zum Teil problematisch wird das Image des Bereichs Wirtschaftsjournalismus innerhalb der Branche gewertet. Der Bereich gilt für viele Berufseinsteiger als wenig attraktiv. Die Vorzüge (Anspruch, Abwechslungsreichtum) werden häufig erst im Zuge der Berufsausübung erkannt.Die Rahmenbedingungen, in denen österreichischer Wirtschaftsjournalismus stattfindet, sind aus Sicht der Betroffenen zum Teil herausfordernd. Dies betrifft vor allem die persönlichen Arbeitsbedingungen, die sich aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklungen verschlechtert haben. Einnahmenseitige Einbußen zwingen die Arbeitgeber zu massiven Einsparungen. Kompetente und erfahrene Mitarbeiter wandern in die Privatwirtschaft ab oder werden freigesetzt – ihre Stellen häufig nicht nachbesetzt. Die Arbeitslast teilt sich auf weniger Köpfe auf. Die Anzahl der Arbeitsplätze geht zurück. Der Zeitdruck steigt.

Hinzukommen (versuchte) Einflussnahmen sowohl von außen wie von innen. Ob diesen nachgegeben wird hängt einerseits von der wirtschaftlichen Lage des Unternehmens ab, andererseits von den internen Strukturen bzw. dem journalistischen Selbstverständnis. Trotz der relativ schwierigen Bedingungen zeigen sich die heimischen Wirtschaftsjournalisten mit ihrem Beruf mehrheitlich zufrieden. Begrüßt werden die interessante Materie und der Gestaltungsspielraum. Kritisch gesehen werden der wachsende (Zeit-)Druck, Personalabbau und andere Sparmaßnahmen.

Unzufriedenheit mit Entlohnung

Mäßig zufrieden zeigen sich die heimischen Wirtschaftsjournalisten mit der Entlohnung. Dies gilt insbesondere für Freie Journalisten. Beziehungsarbeit ist im beruflichen Alltag von enormer Bedeutung. Bei der Informationsbeschaffung verlassen sich Journalisten gerne auf persönliche (weil häufig auch vertrauenswürdige) Kontakte. Off-the-records Informationen können einen wichtigen Anstoß für weitere Recherchen darstellen. Unternehmen und Pressestellen werden zwar im Portfolio der vorhandenen Informationsquellen als durchaus relevant gesehen – in der Regel jedoch aufgrund ihrer eingeschränkten Vertrauenswürdigkeit mit Vorbehalt genutzt.

Nutzen und Legitimität von Pressereisen werden ambivalent betrachtet. Als vertretbar gelten Pressereisen, sofern diese einen klaren journalistischen Nutzen bringen. Unternehmen und deren Pressestellen können bei Wirtschaftsjournalisten vor allem durch gute Erreichbarkeit und zeitnahen Rückruf sowie kompetente Ansprechpartner punkten. Eine gewisse pro-aktive Kontaktpflege wird begrüßt – nicht jedoch das wahllose Zusenden von Informationen und Werbematerial. Eingefordert wird die Korrektheit der zur Verfügung gestellten Informationen. Bevorzugt wird hierbei eine übersichtliche Gestaltung, wünschenswert ist eine stärkere Berücksichtigung spartenrelevanter Bedürfnisse. Gewünscht wird zudem mehr Transparenz und Offenheit. Besonderen Wert legen Wirtschaftsjournalisten auf die Anerkennung und Akzeptanz ihrer Rolle für die demokratische Gesellschaft – d.h. sie möchten keinesfalls als Werbekunden oder verlängerter Arm der PR-Abteilung betrachtet und behandelt werden.

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