»O« Cercle – Die Zeitungsblase ist geplatzt

27

Mai

2009

Ein multimediales Kunstprojekt .Eine Blase aus Zeitungspapier und ihr Platzen als Zeichen der Zeit stehen im Zentrum des multimedialen Kunstprojektes von Mag. art. Simone Carneiro, das vom »OBSERVER« unterstützt wurde.


Simone Carneiro

Ein Kunstprojekt, das Zeitungspapier als zentrales Element hat, ist grundsätzlich sympathisch und fördert die Auseinandersetzung mit dem schon so oft totgesagten Medium. Die Aussicht, dass die kunstvoll zusammengefügten Zeitungen in der Folge auch noch in kleine Stücke zerissen werden sollen, steigert die Freude des Medienbeobachters noch mehr. Auf diese Weise ist die Kunst der Medienbeobachtung selten nahe. Ausschnitte aus anderen Werken werden oft in der Kunst eingesetzt, etwa in Collagen oder Dokumentationen. So unmittelbar ein Stück einer Zeitung zum zentralen Kunstwerk zu erheben, ist jedoch besonders charmant.

Doch so weit sind wir noch nicht, als es zuerst gilt 500 Quadratmeter Zeitungspapier zu einem sechs mal zwei mal vier Meter großen Ballon zusammenzufügen. Für das Zeitungspapier ist Wiens größter Druckerei Herold zu danken, die Die Presse, den Börsen-Kurier und die Wiener Zeitung beisteuerte. Diese wurden ebenso wie Der Standard von Architekt Eyal Ben Zwi so verarbeitet, dass die Blase auch stabil aufgeblasen, begehbar und zerreissbar wird.

Im Zuge der Performance im Semper Depot wurde die Blase zu Jazz-Interpretationen auf dem Saxophon von Julian Hiebl durch die Künstlerin im Inneren bemalt. Das Publikum konnte daran via Überwachungskameras teilnehmen, die auf Bildschirme live übertragen wurden. Besonders spannend die Kamera direkt auf dem Pinsel der Künstlerin.

Interessant auch die Auswahl der Zeitungsseiten, die einige krisentypische Titel aus der jüngsten Zeit tragen. Es fand sich etwa auch auf einer Seite der Blase ein prächtiges Photo vom teuersten und schnellsten Serien-Automobil der Welt (Bugatti Veyron), auf der anderen Seite vom billigsten (dem Tata Nano).

Der Höhepunkt – das Zerreissen – markiert für die Künstlerin ebenso einen Punkt, der sich in der heutigen Wirtschaft widerspiegelt. Durch kreative Zerstörung (nach dem österreichischen Nationalökonom Josef Schumpeter) entsteht etwas Neues und sogar wertvolleres. Die Medien (vertreten durch die Zeitungen) haben die Blasenbildung unterstützt und werden nun nach dem Platzen Teil von neuen Objekten.

Aus den Teilen der Blase – sozusagen den Clippings – entstehen gerahmte Kunstwerke, die käuflich erworben werden können.

Mehr Informationen auf www.simonecarneiro.net

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