15

Januar

2008

Neue Kooperationen, alte Hindernisse.Stolpersteine auf dem Weg zum ganz legalen Musik-Download gibt es viele Internet Service Provider (ISPs), die unerwünschte Downloads technisch ausbremsen,
Filesharing-Portale, die gerichtlich verfolgt werden, Gesetze, die selbst das Umwandeln von eigenen CDs ins mp3-Format unter Strafe stellen – Musikfreunde geraten weltweit schnell ins Visier der Justiz, wenn das Urheberrecht vermeintlich in Gefahr ist.

So hat jetzt etwa die US-amerikanische Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF). eine detaillierte Anleitung veröffentlicht, wie Nutzer ihre ISPs auf Behinderungen von Filesharing-Verkehr testen können. Die EFF stellt dazu ein entsprechendes Tool zur Verfügung: http://www.wireshark.org.

Der Aufruf ist eine Reaktion auf die im Oktober vergangenen Jahres von der EFF nachgewiesene Behinderung von Filesharing-Traffic durch den US-Provider Comcast. So wurden etwa Anwendungen wie BitTorrent und Gnutella ausgebremst.

Eine Behinderung, die laut EFF gefährlich für die Innovation im Internet ist, da die Service Provider damit ein extremes Maß an Kontrolle darüber hätten, welche neuen Anwendungen und Services angeboten werden können.

Filesharing-Anwendungen technisch ausgebremst

Interessant dabei: Auch eindeutig legale Angebote wie das Internet-TV Joost nutzen Peer-to-Peer-Technologien nutzen und könnten von Filesharing-Behinderungen ausgebremst werden.

Der Grund für die Aussetzung eines gegen die BitTorrent-Plattform TorrentSpy geführten Gerichtsverfahrens ist allerdings kein Ruhmesblatt für das Filesharing-Portal: Die Richterin befand, dass Beweismittel „zurückgehalten und zerstört“ wurden.
Die Aussetzung des Verfahrens wird – auch ohne Urteil – als Punktsieg für den US-Filmindustrieverband Motion Picture Association of America gewertet, berichtet das Wall Street Journal. Der Anwalt von TorrentSpy glaubt indes nicht, dass irgendwelche Unterlagen vorsätzlich zerstört worden seien.

In diesem Jahr will das US-Gericht darüber entscheiden, ob TorrentSpy geschlossen werden muss und wieviel Schadensersatz die Betreiber zu zahlen haben.

Direkte Auswirkungen auf das Problem von Online-Piraterie sind von der Entscheidung nicht zu erwarten. Websites wie TorrentSpy bieten zwar selbst keine Inhalte an und lagern keine Dateien auf der eigenen Seite, aber sie verlinken die Nutzer direkt auf Seiten, von denen Videos und Musik heruntergeladen werden können.

TorrentSpy hat seinen Firmensitz in Los Angeles, die Server befinden sich aber in den Niederlanden. So wird der internationale Betrieb der Seite weiterhin aufrecht bleiben, nur für Nutzer in den USA ist der Zugang blockiert.

Zwei Studenten der Uni Mannheim, Christoph Lange und Steffen Wicker, wollten es lieber gar nicht erst so weit kommen lassen, dass ein Gericht eingeschaltet werden muss. Sie stellten mit simfy ein Online-Portal ins Netz, das ein legales Tauschen von Musik im Internet ermöglicht. Auf simfy können Nutzer ihre persönliche Musiksammlung – auch kopierte CDs – ins Internet hochladen. Der Vorteil: Der Zugriff auf die online gespeicherte Musik ist von überall her möglich. Daneben kann man die eigene Musiksammlung online speichern und abspielen – und auch Freunde können auf die Dateien zugreifen.

„Mit simfy wollen wir einen Platz im Internet schaffen, wo Musik legal online verfügbar gemacht wird“, sagt Christoph Lange.

„Das Tauschen von Musik per se ist nicht illegal“

In dem Musik-Portal lässt sich, ähnlich wie bei flickr für Fotos, die eigene Musik abspielen und verwalten. Auch die Synchronisation mit einer iTunes-Bibliothek wird unterstützt.

Was den rechtlichen Aspekt betrifft, haben sich die Portalbetreiber ihrer Auffassung nach nichts vorzuwerfen. „Das Tauschen von Musik per se ist nicht illegal“, stellt Lange fest. Die Rechtslage gestatte sowohl das Anfertigen von Kopien für den Eigengebrauch als auch die kostenlose Weitergabe an einen begrenzten Personenkreis. Ob die Musikindustrie dies auch so sieht, ist allerdings eher zu bezweifeln. „Wir finden es schade, dass Musikhören immer mehr kriminalisiert wird, so simfy-Mitbegründer Christoph Lange.

Den Konfrontationskurs vermeiden wollte man auch in Kanada: Dort haben sich der Songwriter-Verband Songwriters Association of Canada und die Musiker-Vereinigung Canadian Music Creators Coalition zusammengetan, um einen Plan zur Legalisierung von Filesharing-Netzwerken zu entwickeln.

Kanada: Wie können alle von Filesharing-Portalen profitieren?
Der Entwurf sieht vor, pro Internetanschluss eine monatliche Pauschale als Urheberrechtsabgabe von den Nutzern zu erheben. Mit der Gebühr in Höhe von umgerechnet 3,40 Euro würde einerseits der Tausch von Musikdateien auf eine legale Ebene gehoben, andererseits könnten die Mitglieder der Musikervereinigungen am Filesharing mit verdienen.
Ob die hiesige Musikindustrie diese Idee unterstützen wird, ist fraglich.
So zeigt sich der Verband der Österreichischen Musikwirtschaft IFPI Austria skeptisch: „Pauschalmodelle, die einer kollektiven Enteignung der Kreativen gegen ein Almosen gleichkommen, lehne ich ab“, sagt Franz Medwenitsch, Geschäftsführer der IFPI Austria. Basis für jedes Geschäftsmodell müsse eine Lizenz sein. Wer dieses Grundprinzip infrage stelle, setze die Axt an die Wurzel der Kreativbranchen. Schließlich seien legale Alternativen längst da: „Das Online-Angebot ist auf mehr als vier Millionen Songs gestiegen. Allein in Österreich kaufen bereits 500.000 Konsumenten Musik im Internet“, so der österreichische Musik-Funktionär.

Musik zu tauschen oder auch nur das Format umzuwandeln, auf dem sie gespeichert ist, ohne sich strafbar zu machen – das ist in Großbritannien bisher ziemlich schwierig. Immerhin erwägt die britische Regierung nun eine Lockerung des Urheberrechts.
Großbritannien: Umwandeln in mp3-Datei ist strafbar
Laut Aussagen des Staatssekretär des Amts für geistiges Eigentum soll das Anfertigen von Privatkopien für den Endnutzer legalisiert werden.
Was in Deutschland und Österreich dem gesetzlichen Rahmen entspricht, ist im Vereinigten Königreich bislang praktisch verboten: Musik von einer selbst gekauften CD in ein MP3-File für den eigenen Player umzuwandeln – was die meisten britischen Nutzer dennoch längst tun – gilt als Verstoß gegen das Urheberrecht.
Filesharing und Vervielfältigung, die über den Privatgebrauch hinaus geht, sollen in Großbritannien wie auch hierzulande weiterhin verboten bleiben. Die geplanten Änderungen und Ergänzungen des britischen Urheberrechts betreffen neben der Privatkopie auch Ausnahmen für das Bildungswesen, die Forschung sowie Bibliotheken und Archive.

Das Weitergeben der Original-CD nach Anfertigen einer Privatkopie bleibt aber auch nach der möglichen Gesetzesänderung untersagt. Hier argumentiert das Amt für geistiges Eigentum rein marktwirtschaftlich: Die Weitergabe der CD könnte einen Rückgang bei den Verkaufszahlen zur Folge haben!
Die britische Musikindustrie selbst zeigte sich mit der geplanten Gesetzesnovelle zufrieden.

Neue Kooperationen zur Stärkung von Online-Marketing

Damit Musik heruntergeladen wird, muss sie erst einmal bekannt sein. Verschiedene neue Kooperationen sollen dies befördern: So arbeitet das Online-Musikportal Concert Online jetzt mit Sony BMG zusammen. Nutzer des Portals können ab jetzt auf Titel des Majorlabels zugreifen. Das Angebot soll kontinuierlich erweitert werden. Concert Online will aber mehr sein als eine bloße Downloadseite. Musikfans können auf dem Portal nicht nur Konzertfilme erwerben, sondern auch Auftrittstermine recherchieren oder sich in Foren mit anderen Konzertbesuchern austauschen. Concert Online versteht sich als Partner von Künstlern und Labels und will eine zentrale Verwaltungsplattform für beide Gruppen sein. Gerade Newcomer-Bands wolle man auf ihrem Karriereweg unterstützen.

Die selbe Absicht verfolgt das deutsche Musik-Fachmaga
zin Musikmarkt mit der Übernahme der so genannten Trend-Charts von last.fm. Bei Last.fm gelten jene Lieder als populär, die die meisten Hörer aufweisen können. Die Trend-Charts sind ein Wegweiser für die offiziellen Verkaufscharts. Tendenzen, die bei dem Musikportal verzeichnet werden, können sich auch in den Verkaufszahlen der Künstler niederschlagen.

Synergie-Effekte nutzen

„Last.fm erwartet sich von dieser Kooperation, dass die Aufmerksamkeit innerhalb der deutschen Musikbranche auf die Entwicklungen im Internet und insbesondere auf die Bedeutung von Last.fm diesbezüglich gelenkt wird“, so die Last.fm-Sprecherin. Alleine in Deutschland wird das weltweit größte Netzwerk für Musikliebhaber Last.fm von über 2,5 Millionen Menschen genutzt. Um Geld geht übrigens bei der Kooperation nicht – beide Medien setzen auf Synergie-Effekte. Die entstehen immer dann, wenn neue Ideen nicht durch komplizierte und oft verstaubte Gesetze ausgebremst werden – so wie, siehe oben, im Falle BitTorrent!

Electronic Frontier Foundation www.eff.org
Internet-TV Joost www.joost.com
BitTorrent-Plattform TorrentSpy www.torrentspy.com
Filmindustrieverband Motion Picture Association of America www.mpaa.org
simfy simfy.de
Songwriter-Verband Songwriters Association of Canada www.songwriters.ca
Canadian Music Creators Coalition www.musiccreators.ca
Britisches Amt für geistiges Eigentum www.ipo.gov.uk
Verband der britischen Musikindustrie www.bpi.co.uk
Online-Musikportal Concert Online concert-online.com
Musik-Fachmagazin Musikmarkt www.musikmarkt.de

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