„In der Öffentlichkeitsarbeit von heute ist nichts mehr so wie es einmal war“

26

Oktober

2015

Im Rahmen der Informationsveranstaltung „PR Trends 2016” gab Kommunikations-Expertin Sabine Pöhacker Einblick in aktuelle Medien- und Kommunikationsstrukturen, die ein radikales Umdenken der PR-Politik von Unternehmen erfordern. 

„Durch Internet und Social Media hat sich die Medienwelt, aber auch das Kommunikationsverhalten der Konsumenten um 180 Grad gewandelt. Bedingt durch diese radikalen Brüche wissen Unternehmen oft gar nicht mehr, welcher Weg der richtige zum Kunden ist!” erklärt comm:unications Agenturinhaberin Sabine Pöhacker, MSc. im Rahmen einer After-Work-Informationsveranstaltung Anfang Oktober in den Agenturräumlichkeiten im neunten Wiener Gemeindebezirk.

Blogger sind die neue Realität

Sie sind am Puls der Zeit und vermitteln in ihren Communities bestenfalls Authentizität und Glaubwürdigkeit. Medienhäuser setzen auf Blogger, PR-Agenturen arbeiten vermehrt mit ihnen zusammen. Der Grund ist naheliegend: Blogs beeinflussen in hohem Maße die Kaufentscheidungen, bereits jetzt orientieren sich 31 Prozent an den neuen Influencer. Pöhacker: „Früher waren Journalistenverteiler unser großer Schatz, heute sind es die Bloggerkontakte, die wir für unsere Kunden laufend erweitern.“

Kürzer, emotionaler, visueller

„Snack-Size-Info“ ist gefragt. Wer es nicht schafft, seinen Mehrwert in Sekundenschnelle auf den Punkt zu bringen, wird gnadenlos weggeklickt. Dabei rücken auch Emotionen und Events wieder mehr in den Vordergrund. Die „Text-only-Zeiten“ sind definitiv vorbei, dafür ist das Bewegtbild auf Siegeszug: Drei von vier Konsumenten haben Zugriff auf Smartphones, dort sind Short-Form-Videos längst kein Luxus mehr. „Visual Storytelling“ erhöht die Glaubwürdigkeit an der Quelle und ist somit nicht nur für Medien, sondern auch für Unternehmen zunehmend von Relevanz”, so die PR-Insiderin.

PR findet überall und in allen Facetten statt

PR im Netz nimmt weiter zu, wobei die Berichterstattung „paid“, „owned“ oder „earned“ ist. Berichte gegen Bezahlung sind im Aufwind, allerdings – und das ist ein Negativtrend – sind Advertorials und Native Advertising nur allzu oft als redaktionelle Berichterstattung getarnt. Darüber hinaus setzen immer mehr Unternehmen auf eigene Medien, laut European Trend Monitor 2015 sind es derzeit 33 Prozent. Auch die klassische Medienarbeit, die ein Höchstmaß an Authentizität gewährleistet, gewinnt wieder an Terrain: Wer weiß, wie’s geht, hat faire Chancen, dass Informationen ohne Gegenleistung von Redaktionen übernommen werden. Weiter an Attraktivität gewinnen Fanblogs und Bewertungsportale – sie punkten ebenfalls aufgrund ihrer hohen Authentizität.

PR-Kampagnen & Do it yourself PR 

Ein weiterer Trend, der auf Agenturseite spürbar wird, geht in Richtung PR-Kampagnen, etwa unterstützend zu Produkteinführungen. Anstatt langfristiger PR-Betreuung setzen Unternehmen immer häufiger auf kurzfristige Maßnahmen. „Das ist allerdings zu kurz gedacht“, so Sabine Pöhacker. Auch die „Do it yourself PR“ nimmt angesichts schwindender Budgets weiter zu. Sie warnt davor, das PR-Handwerk allzu sehr auf die leichte Schulter zu nehmen: „Einen PR-Text zu schreiben oder einen PR-Event zu erstellen, ist längst nicht alles. Viel substanzieller sind die Strategie davor und die Umsetzung danach.“

PR-Strategen bestimmen die Zukunft

Kommunikation findet heutzutage auf unterschiedlichen, nicht mehr überschaubaren Kanälen statt. Sabine Pöhacker: „Wir müssen uns daher verabschieden, alles kontrollieren zu wollen und zu können. Durch das Internet ist Kommunikation schneller, aber auch unberechenbarer, volatiler und zerbrechlicher geworden.“ Durch diese zunehmende Komplexität wird professionelles Kommunikationsmanage­ment immer vordringlicher. Auch die Krisen-PR wird in Unternehmen eine zunehmende Rolle spielen. Beispiele wie Plachutta, Dieselgate oder Burger King verdeutlichen die Macht der Realtime-Medienwelt. Pöhacker: „Gefragt sind erfahrene PR-Experten, die die erste Führungsebene adressieren und diesen als Sparring Partner auf Augenhöhe mit dem notwendigen Blick fürs Ganze zur Verfügung stehen. Damit einher geht das Reputation Management, das für Unternehmen zu einem Schlüsselfaktor werden wird.“

Poehacker

Sabine Pöhacker,  Inhaberin der Wiener PR-Agentur comm:unications und Österreich-Partner von PROI Worldwide, warf einen Blick auf die PR-Trends 2016.

 

 

Kommentar hinterlassen