Hannes Androsch referiert beim Ecker & Partner Business Breakfast über den Reformstau in Österreich

06

Juni

2011

Die Wiener PR- und Lobbying-Agentur lud den Industriellen und ehemaligen Finanzminister ein.

Mit der Eingangsfrage, ob und welche Taten den Worten und Konzepten folgen, eröffnete Geschäftsführer Mag. Axel Zuschmann das aktuelle Business Breakfast bei der Wiener PR-Agentur Ecker & Partner mit dem Industriellen und Vorsitzenden des Rates für Forschung und Technologieentwicklung, Dr. Hannes Androsch. Dieser stellte sofort klar, dass der Reformstau in Österreich ein Faktum sei, das eine lange Vorgeschichte aufweise. Vom Zerfall des Ostblocks bis hin zur Digitalisierung habe die Alpenrepublik mit gravierenden globalen Veränderungen nicht Schritt halten können – und hinke daher Anpassungen heillos hinterher. Ein gutes Beispiel, so Androsch, sei etwa der kontinuierliche Abstieg Österreichs in den OECD-Rankings. Dem durch eine gezielte Forschungs- und Innovationsstrategie entgegenzuwirken, werde durch den Bundesfinanzplan wieder zunichte gemacht. Andere Beispiele biete der Föderalismus – vier unterschiedliche Behörden seien etwa für die Aufsicht bei einem Lebensmitteltransport von Salzburg nach Wien zuständig; mit dem Resultat, dass oft keine davon ihre Aufgaben entsprechend wahrnehme und Geld vergeudet werde.

„Es geht uns nicht schlecht, es könnte uns besser gehen.“

Ein anderes Exempel: „In der Verwaltung des Bundesheeres arbeiten 24.000 Personen für 11.000 Heeresdiener, von denen wiederum nur rund 3.000 einsatzfähig sind. Da dürfen wir uns nicht wundern.“ Und beim Bildungsvolksbegehren konstatierte Androsch, „dass alle dafür sind, aber kaum jemand sich engagieren will – weder finanziell noch ideell. Da entzieht sich die Wirtschaft ihrer Verantwortung, und die Bevölkerung hat Angst vor der eigenen Courage.“ In diesem Zusammenhang wunderte sich Androsch über den „mangelnden Aufschrei der Jungen“. Denn Bildung sei “der Schlüssel zu Reformen“ und „das einzige, was wir unseren Kindern hinterlassen können“. Da dürften nicht nur die „Großväter als einsame Standartenträger voranschreiten“. Sein Fazit: „Das ist Österreich. Es geht uns nicht schlecht, es könnte uns besser gehen. Wenn es jedoch so weiter geht, dann wird es uns bald schlechter gehen.“

Gastgeber Axel Zuschmann von Ecker & Partner mit seinem Gast Hannes Androsch.

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