Dr. Karl Renner-Publizistikpreise 2013 gehen an Georg Ransmayr, Eva Weissenberger, Ernst Weber und neuwal.com

23

Dezember

2013

Der Preis für Journalisten wird in den Kategorien TV, Print, Radio und Online verliehen.

Im Wiener Rathaus wurden knapp vor Weihnachten 2013 die Dr. Karl Renner Publizistikpreise vergeben. Preisträger
 sind in der Kategorie Fernsehen MMag. Georg Ransmayr vom
 ORF-TV, in der Kategorie Print die Chefredakteurin der „Kleinen 
Zeitung“, Eva Weissenberger, in der Kategorie Radio, der
 Ö1-Radiomacher Ernst Weber und in der Kategorie Online, das
 Politikportal neuwal.com.

Im Rahmen der Preisverleihung gab es viele kritische Worte. So
 analysierte ÖJC-Präsident Fred Turnheim in seiner Begrüßung das
 heutige Österreich: „Die europäische Statistikbehörde Eurostat hat
 festgestellt, dass Österreich, gemessen am Pro-Kopf-Einkommen, das
 zweitreichste Land in der Europäischen Union ist. Damit gehören wir
 zu reichsten Ländern der Welt: Aber wir leisten uns kein
 Wissenschaftsministerium, sparen unser Land zu Tode, zahlen im 
öffentlich-rechtlichen Rundfunk den Journalistinnen so wenig, dass
 sie von dieser Arbeit nicht leben können und schicken noch immer
 erfahrene Redakteure in die Zwangspension. Der heimische 
Journalismus ist in den vergangenen Jahren von einsparungswütenden
 so genannten Medienmanagern in die größte Strukturkrise seit dem Ende 
des 2. Weltkrieges gejagt worden.“

Der Dr. Karl Renner Publizistikpreis wird in vier Kategorien
 vergeben. In der Kategorie Print wurden Lisa Mayr („Der Standard“) und 
Eva Weissenberger („Kleine Zeitung“ Kärnten) nominiert. Der Preis wurde 
Eva Weissenberger zugesprochen. In einer sehr persönlich gehaltenen 
Laudatio würdigte die ZiB-Redakteurin Julia Ortner Lisa Mayr und Eva 
Weissenberger als Vorbilder in der heimischen Print-Landschaft: „Eva 
Weissenberger hat es geschafft, sich durch ihre Leistungen den Respekt
 unseres großen Vorbilds Anneliese Rohrer zu gewinnen. Sie ist eine
 der wenigen die vom ORF von außen angeworben wurde“, so Ortner in der 
Laudatio. In ihrer Dankesrede sagte Weissenberger: „Es ist eine tolle
 Auszeichnung, dass auch Journalisten aus den Bundesländern hier in
 Wien geehrt werden. Auch ich 
hoffe, dass der Druck der Politik auf den Journalismus in Zukunft
 abnimmt.“

In der Kategorie Radio kamen alle drei Nominierten von Ö1: Dr. Irene 
Suchy für „Kastzners Liste. Die Geschichte einer späten Würdigung“
 („Dimensionen“) und „‚Wir haben einfach gute Musik gemacht‘. Die
Wiener Philharmoniker und ihre NS-Vergangenheit“ 
(„Journal-Panorama“), Dr. Franz Zeller für „Luft-Krieg – Drohnen 
statt Kampfjets“ („Dimensionen“) und Ernst Weber für sein im Rahmen 
der „Hörbilder“ ausgestrahltes Feature „Allahu Akhbar in Klagenfurt.“ Der Preis wurde an Ernst Weber vergeben. Der Radiojournalist Weber 
“liefert die besten Argumente für die Pressefreiheit, die ja dann
 erst sinnvoll ist, wenn es auch unbequeme und tiefschürfende 
Journalisten gibt“, so Mag. Johannes Kaup in seiner Laudatio. In seiner Dankesrede ging Weber auch auf die Arbeitsbedingungen bei
 der Gestaltung seiner nun ausgezeichneten Sendung ein: „Besonders der 
Versuch der Zensur während meiner Arbeit in Kärnten hat mich dazu
bewogen, meine Arbeit dort auch zu Ende zu bringen. Ich habe mir für
 diese Preisverleihung zwar extra eine neue Hose und ein neues Hemd
 gekauft, als freier Mitarbeiter wünsche ich mir in Zukunft für uns 
Freie aber eine Bezahlung für unsere Arbeit, von der wir auch leben 
können.“

In der Kategorie Fernsehen gab es drei Nominierte: Florian Danner
 (ProSiebenSat1PULS4), MMag. Georg Ransmayr (ORF Zeit im
Bild/Wirtschaftsredaktion), Redaktion „Am Schauplatz“ (ORF-Fernsehen). 
In seiner Laudatio würdigte Mag. Hans Bürger (Chef der Innenpolitik
in der Zeit im Bild-Redaktion des ORF) den Preisträger: „An Georg 
Ransmayr schätze ich besonders seine ruhige und professionelle Art.
 Er ist im Haus ein Leistungsträger, der sich nicht über soziale 
Netzwerke selbst vermarktet. Da er im ORF bereits sowohl für die
 Wirtschaftsredaktion als auch für die Wissenschaft gearbeitet hat,
 wäre er wohl auch ein guter neuer Wirtschaftsminister.“

In der Kategorie Online gab es zwei Nominierungen: ORF-Online für das
 „Projekt Wiener Festwochen“ und die Redaktion des Politikportals 
neuwal.com. Mag. Helmut Kletzander würdigte beide nominierten
 Werke als hervorragende journalistische Leistungen. Kletzander über
 den Preisträger: „Auf neuwal.com findet man eine Form der
 Politikberichterstattung rund um diverse Wahlen in Österreich, die
 man in dieser Qualität auch gerne in seiner Tageszeitung finden
 würde.“ Im Namen der Redaktion meinte deren Leiter, Dieter Zirnig: „Die 
Herausforderung im digitalen Bereich ist es, eine Struktur in die
 umfassende Datenmasse zu bringen. Besonders wichtig im sozialen
 Wandel sind Kooperationen. Sie sind heute von der selben Bedeutung für
 den Fortschritt, wie es damals die Erfindung der Dampflok war. In 
Zukunft darf daher Online kein Nebenprodukt sein.“ Projekte, wie neuwal.com bekommen keine Förderungen. Deshalb 
ersuchte der Laudator die Anwesenden, für den Weiterbestand von neuwal.com zu spenden. Die 200 Festgäste spendeten 500 Euro, die
 spontan zum für Online zuständigen Sektionschef im Bundeskanzleramt, 
Dr. Manfred Matzka, verdoppelt wurden.

Mit dieser Geste der Solidarität ging der Festakt zu Ende. Der Dr.
 Karl Renner Publizistikpreis 2014 wird im Frühjahr 2014 ausgeschrieben und im Dezember 2014 wieder im Wiener Rathaus
 verliehen werden.

Preisträger des Dr. Karl Renner-Publizistikpreises 2013

Die Verleihung des Dr. Karl Renner Publizistikpreises im Wiener Rathaus: Preisträger, Nominierte, Laudatoren und ÖJC-Vorstand.

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