Dr. Andreas Unterberger, Wiener Zeitung

01

August

2007

Zur Person.

„Ein Journalist, der einmal anfängt, Kompromisse zu machen, wird nie ein Qualitätsjournalist werden.“ Das schreibt Dr. Andreas Unterberger, Chefredakteur der Wiener Zeitung, allen Kritikern – und natürlich auch dem journalistischen Nachwuchs – ins Stammbuch. Bezogen auf das, was er selbst aushalten mußte, meint er: „Ich werde mich weder von Pressionsversuchen, noch von Rufmordversuchen beeindrucken lassen.“
Dr. Andreas Unterberger

Was man Unterberger als Presseinformation anbietet, „muß einen Neuigkeitscharakter haben, der eine Saite im Kopf des Journalisten zum Klingen bringt.“

Berufshilfe für Leser

Unterberger versteht die Wiener Zeitung als „Berufshilfe für die Leser“ und bevorzugt daher nicht, wie bei einem im Eigentum der Regierung stehenden Organ zu erwarten, politische Informationen, sondern erklärt: „Für die Wiener Zeitung sind natürlich jene Themen interessant, die berufsnahe sind.“

Das sind gute Nachrichten für alle, die entsprechende Nachrichten aus der Wirtschaft anzubieten haben.

Gute Illustration fördern

„Ich versuche schon, die gute Illustration zu fördern“, erklärt der Chefredakteur. Damit meine er nicht die „Schönfotos“ von Chefs, die ihm oft angeboten werden. „Wir brauchen journalistische Fotos.“

Noch wichtiger als Fotos sind ihm Info-Graphiken, die Zusammenhänge bildhaft darstellen: „Das ist sehr oft sehr hilfreich.“

e-Mail bevorzugt

„Mail ist sicher heute die praktischste Form“, erklärt er. Ausnahmen seien persönliche Einladungen. Hier bevorzugt er Briefpost mit Handschrift zumindest beim Namen.

An wen schreiben?

Am sichersten erreicht man die Redaktion der Wiener Zeitung „zu Handen Chefredaktion“. Das bekommt Unterberger meist selbst auf den Tisch, es bleibt aber auch nicht liegen, wenn er nicht im Haus ist.

Interviews gezielt
„Wir haben eine Fülle von Interviews im Blatt“, erklärt der Chefredakteur, fügt aber hinzu, diese hätten sehr unterschiedliche Form und Länge. Nur besondere Persönlichkeiten werden eines „Wortlautinterviews“ für würdig befunden.

Pressekonferenz-Illusionen
„Einen Chefredakteur einer Tageszeitung werden Sie wohl kaum zu einer Pressekonferenz bringen“, zerstört Unterberger alle diesbezüglichen Hoffnungen. Er bekomme 30 bis 60 Einladungen pro Tag, die er nach Möglichkeit in der Redaktion weiter gibt. Besser sei es, „gezielt an den Kollegen zu schreiben“, den man bei der Pressekonferenz sehen wolle.

Unarten
Verschonen möge man Unterberger mit der telefonischen Frage, ob man denn auch die Einladung zu einer Pressekonferenz bekommen habe. Das stört Konzentration und Arbeit in der Redaktion, „außer wenn es um ein gesetztes Essen geht“.

Unerreichbar

„Die direkte Erreichbarkeit ist sehr reduziert“, gesteht Unterberger dem Interviewer, der selbst eine Woche auf den Interviewtermin gewartet hatte. Er sei zwar von 9:15 bis 21:30 Uhr in der Redaktion, aber in der Regel in Besprechungen und von seinem Sekretariat bestens abgeschirmt.
Tierkreiszeichen: Steinbock
Familienstand. Lebensgefährtin, 3 Söhne, 3 Enkel
Lieblingsgetränke: Leichtmilch und Rotwein
Lieblingsessen: „Leider von allem zu viel.“
Bildtext:

Dr. Andreas Unterberger
(Foto: Wiener Zeitung)
A. U. über schöne Illustrationen und journalistische Qualität und „am liebsten per Email“

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