Die Jubiläumsnummer von „Cash Flow“ ist auch „ein psychotherapeutisches Projekt“

01

Mai

2011

Ferenc Papp, Gründer und Herausgeber des vor 25 Jahren etablierten Wirtschaftsmagazins „Cash Flow“ lässt den Titel für eine Ausgabe auferstehen. Im Gespräch mit »OBSERVER« erklärt Papp, welche Gründe hinter der Jubiläumsnummer stehen und ob „Cash Flow“ als Periodikum vielleicht nicht doch wieder aufleben könnte.

„Wenn das Heft erscheint,“ lautet die Antwort von Ferenc Papp auf die Frage, unter welchen Umständen er die einmalige Jubiläumsnummer von „Cash Flow“ zum 25er als Erfolg wertet: „Und wenn ein paar Leute gut über das Produkt reden, dann wären wir auch glücklich.“ Aber natürlich soll „Cash Flow 25“ auch die Kosten decken und im Idealfall ein wenig Profit abwerfen. Ab darum – um Profit nämlich – geht es Papp und den von ihm um sich Gescharten gar nicht so sehr, sondern vielmehr um den Spaß am gemeinsamen Erarbeiten eines Magazins, den Papp bei den meisten Printpublikationen heute vermisst: „In der Medienbranche ist vieles sehr ernst geworden.“ Und was ist, wenn das „Cash Flow“ zum 25-jährigen Jubiläum nicht erscheint? „Das ist unwahrscheinlich, aber ein abermaliges Scheitern wäre nicht so dramatisch“, meint Papp mit einem Augenzwinkern. Die Anzeigenernte ist im übrigen bereits zu einem Gutteil eingefahren, einiges muss aber sehr wohl noch akquiriert werden. Einer, der dabei tatkräftig mithelfen wird, ist der legendäre frühere „Der Standard“-Anzeigenchef Peter Allmeyer-Beck. Und auf alte Bekannte wird man beim Durchblättern der 2011er Ausgabe von „Cash Flow“ zuhauf treffen: auf Stefan Janny etwa oder Otto Bohinc, aber auch Christian Ortner, Karin Spitra, Erich Reismann oder Herbert Winkler, der für das Layout verantwortlich zeichnet. Mindestens 164 Seiten, eventuell sogar 200 Seiten dick soll die Jubiläumsnummer werden. Die Auflage wird bei 40.000 Stück liegen. Ein Gutteil davon geht an einen Verteiler von Opinion Leadern, der Rest wird im Einzelverkauf um 8 Euro an den Mann gebracht.

Drei Mann, eine Mission: Otto Bohinc, Ferenc Papp und Stefan Janny lassen „Cash Flow“ für einmal auferstehen.

Ein Magazin mit vielen Freiheiten

Erscheinen wird das ursprünglich für April avisierte Heft „vor dem Sommer, wahrscheinlich Ende Juni“. Papp: „Wenn ein Magazin nach 15 Jahren wieder einmal erscheint, kommt es auf ein paar Tage mehr oder weniger auch nicht mehr an.“ Ziel ist jedenfalls die Schaffung „eines einzigartigen Produktes“, und das impliziert, dass hier nicht versucht wird, „Cash Flow“ nachhaltig wiederzubeleben: „Die Jubiläumsnummer bleibt eine einmalige Sache. Ein derartiges Magazin würde heute so wohl auch nicht mehr funktionieren. Wirtschaftsmonatsmagazine sind ja etwas Anachronistisches.“ Aber ab und zu eine weitere Jubiläumsnummer kann sich Papp dann schon vorstellen: „Vielleicht gibt es in fünf Jahren wieder eine Ausgabe.“ Das Schöne am gegenwärtigen Projekt sei jedenfalls, dass man „alle Freiheiten“ habe und nicht einmal ansatzweise auf Tagesaktuelles eingehen müsse: „Das ist eine großartige Gelegenheit, ohne Druck und mit viel Freude ein Magazin zu machen.“ Zumal die Wirtschaft im Moment viele, viele spannende Themen biete, die es aufzuarbeiten gelte: „Auf der einen Seite haben wir Unternehmen mit millionenschweren Bewertungen, auf der anderen Seite haben wir millionenschwere Pleiten“, sinniert Papp. Es gebe einfach eine Menge spannender Geschichten da draußen. Wirtschaft sei eben ein Abenteuer. Nicht zuletzt deshalb laute ja das Motto von „Cash Flow“ seit jeher „Das Abenteuer Wirtschaft“.

Spannende Mission für die Space Cowboys

Papp und „Cash Flow“-Gründungsmitglied Otto Bohinc sehen das Projekt „Cash Flow 25“ jedenfalls als „Expedition“. Und zwar in der Tradition von Spielfilmen wie „Space Cowboys“ und „R.E.D.“, in denen längst pensionierte Astronauten respektive Geheimagenten den Etablierten zeigen, wo’s langgeht. Der Reiz, das Projekt zu lancieren, sei – so Papp – auch darin gelegen, „all die Leute von damals wiederzusehen“. Einige seien ja in Wien geblieben, aber andere seien in alle Winde zerstreut: „Obwohl es uns nur elf Jahre lang gab, waren wir ein Brutkasten für viele, die tolle Karrieren hingelegt haben.“ Eines ist Ferenc Papp allerdings ganz wichtig: „Wir machen kein Retroheft! Wir lassen zwar unsere alten Ressorts aufleben, aber das ist es auch schon.“ Für die eine oder andere Geschichte werde man aber sehr wohl einen Blick ins Fotoarchiv werfen, schließlich fänden sich „schon einige Schätze“. Insgesamt ist „Cash Flow 25“ laut Papp bis zu einem gewissen Grad „auch ein psychotherapeutisches Projekt, eine Art Familienaufstellung.“ Möge die Übung gelingen!

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