Claus-Gatterer-Preis an Falter-Redakteurin Nina Horaczek

16

Oktober

2013

Anerkennung an „Der Standard“-Redakteurin Saskia Jungnikl

Im Schloss Esterhazy wurden Anfang Oktober 
im Beisein des Burgenländischen Landeshauptmanns, Hans Niessl und der
 Südtiroler Kulturlandesrätin Dr. Sabina Kasslatter Mur der heurige
 Prof. Claus Gatterer Preis an Mag. Nina Horaczek verliehen. Die
 Ehrende Anerkennung ging an Saskia Jungnikl. Der Preis ist mit 5.000
 Euro dotiert und wird jedes Jahr an hervorragende Journalistinnen und
 Journalisten in Österreich und Südtirol vergeben.

ÖJC-Präsident Fred Turnheim kritisierte im Rahmen der Feierstunde die 
Verschlechterung der Pressefreiheit in Österreich. In unserem Land
 werde die Pressefreiheit durch wirtschaftliche Gewalt gefährdet. Zu
 geringe Bezahlung, Kündigungen und gesetzeswidrige
 Frühpensionierungen verschärfen den Druck auf die Journalistinnen und
 Journalisten. „Noch nie ging es unserer Branche so schlecht, wie in 
diesen Tagen. Noch nie gab es so viele prekäre Arbeitsverhältnisse im 
Journalismus“, so Turnheim. Der Österreichische Journalisten Club fordert daher eine rasche 
Rückbesinnung auf die Aufgaben der vier Säulen der Demokratie, zum
 Schutz der Demokratie. Dazu gehören besonders die Grund- und
 Freiheitsrechte. Vom neuen Nationalrat fordert der ÖJC einen „Runden
Tisch zur Verbesserung der Pressefreiheit in Österreich“. 
Der ÖJC ersucht daher dringend alle alten und neuen Abgeordneten zum
 Nationalrat aber auch die österreichischen Abgeordneten im 
Europaparlament in dieser Sache aktiv zu werden.

Landesrätin Kasslatter Mur betonte in Ihrer Rede, dass es für
 Südtirol eine besondere Ehre sei, „das dieser Preis jährlich 
vergeben wird und an einen Mann erinnert, der in seinen Büchern und
 journalistischen Beiträgen immer auf Menschlichkeit und 
gesellschafspolitisches Engagement gesetzt hat“. Für den Generaldirektor der Esterhazy-Betriebe, zu denen das Schloss 
in Eisenstadt gehört, Dr. Stefan Ottrubay, ist ein „starker und
unabhängiger Journalismus die Basis einer starken Demokratie“. Der burgenländische Landeshauptmann Hanns Niessl freute sich über die 
enge Zusammenarbeit zwischen dem Burgenland und Südtirol. Besonders
 betonte er das vorbildliche Bildungssystem in Südtirol. Mag. Nina Horaczek wurde 1977 in Wien geboren. Erste
 journalistische Erfahrungen sammelte sie beim „Kurier“, im „Standard“
 und in den „Salzburger Nachrichten“. Die Politologin und Journalistin
 fällt durch ihre besonders einfühlsame Arbeitsweise mit Menschen auf,
 bleibt dabei aber in ihrer Berichterstattung völlig neutral.

Bewegende Reportage

Ausgezeichnet wird Nina Horaczek auch für ihre bewegende Reportage
aus einer „geschundenen Stadt“. Aus dem Athen unserer Tage. Um diese 
einfühlsame Reportage schreiben zu können, ist Horaczek fünf Tage mit
 der U-Bahn und dem Motorrad durch die griechische Hauptstadt gedüst
 und hat mit rund dreißig Menschen gesprochen, in den Markthallen, am 
zentralen Syntagma-Platz oder auch in Piräus. Ihre Reportage endet:
“Während die Salonmarxisten an ihrem Cappuccino freddo nippen, ziehen 
Bangladeschi ihre Einkaufswagen durch die Straßen. Sie durchsuchen
 Müllkübel und wer ganz zeitig aufsteht, kann beobachten, wie diese 
Papierlosen aus Kelleröffnungen klettern. Im Keller gibt es nichts 
außer staubige Böden und alte Zeitungen als Unterlage. Der Geruch,
der herausdringt, ist schlimmer als in einem Ziegenstall. Das ist der
 Punkt, an dem klar ist, es geht nicht mehr weiter. Hier ist das Ende erreicht.“

„Kollegin Horaczek beherrscht die Kunst der einfühlsamen Reportage 
und eröffnet in ihren journalistischen Beiträgen einen neuen 
Blickwinkel auf interessante Themen. Sie ist konsequent in der
 Aufbereitung von gesellschaftspolitischen und sozial relevanten
 Themen und mit dieser Haltung ein Vorbild für alle sozial engagierten 
Journalinnen und Journalisten in Österreich und in Südtirol“,
 begründet Juryvorsitzender Fred Turnheim die Entscheidung der Jury.

Einfühlsamer Beitrag

Die „Ehrende Anerkennung“ wurde von der Jury der 
“Standard“-Redakteurin Saskia Jungnikl für ihren einfühlsamen Beitrag 
“Papa hat sich erschossen“ erschienen am 23./24. März des heurigen 
Jahres in der Tageszeitung „Der Standard“ vergeben.
 Jungnikl wurde 1981 in Güssing geboren. Sie studierte Geschichte und
 dann an einer Fachhochschule für Journalismus. Ihre journalistische
 Karriere begann sie beim Monatsmagazin „Falter“, wechselte zu 
“Datum“ und ist seit 2010 im Ressort Innenpolitik des „Standard“.

Die Jury hat sich entschieden, die „Ehrende Anerkennung des Prof.
 Claus Gatterer-Preis 2013“ an Saskia Jungnikl für ihre „hohe
 Risikofreude und die große Wahrhaftigkeit, mit der sie an das 
Tabuthema ‚Selbstmord‘ herangegangen ist“, zu vergeben. Jedes Jahr 
gehen weltweit eine Million Menschen in den Freitod. Frau Jungnikl
 schließt ihren sehr persönlich gefärbten Beitrag mit den Sätzen: „Es
 bleibt eine Schuldfrage, auch wenn niemand Schuld hat. Mein Vater
 hatte das Recht, zu entscheiden, wann er stirbt. Dass er am Ende
 seines Lebens so verzweifelt und traurig gewesen sein muss, wird
 immer wehtun.“

 

 

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