Als Plan B bliebe noch Nationalpark-Rangerin!

28

April

2013

Mit März 2013 übernahm Gudrun Wolfschluckner die stellvertretende Chefredaktion von Werbeplanung.at und des quartalsweise erscheinenden Digital-Marketing-Fachmagazins „update“.

1. Journalisten sind in der privilegierten Position, einen abwechslungsreichen Job auszuüben: Was gefällt Ihnen noch an Ihrem Beruf?

Das Prinzip, nahe an den Dingen zu sein, aber gleichzeitig Distanz zu wahren, macht den Beruf spannend. Die Möglichkeit, Entwicklungsprozesse zu begleiten, tröstet ein wenig über das menschliche Unvermögen hinweg, immer und überall den Überblick zu behalten.

2. Wo viel Licht ist, ist meist auch viel Schatten: Was sind die Schattenseiten des Journalistenberufs?

Abgesehen von chronischen Verspannungen? Nein, ernsthaft und leider ernst: Entgegen landläufiger „Qualitäts“-Versprechen werden viele Redaktionen weiterhin „krankgespart“ und ihre Ressourcen bis auf ein Minimum (wo liegt das eigentlich?) reduziert. Die Neuinterpretation davon, was von journalistischer Leistung und ihren Erzeugnissen bleibt, basiert dann auf dem „Befüllen“ der Freiräume zwischen Anzeigenplatzierungen und dem Überbrücken der Pausen zwischen Werbezeiten. Oberflächlich betrachtet reine journalistische Eitelkeit, mittelfristig ökonomisch nicht tragfähig und langfristig gesellschaftlicher Irrsinn.

3. Was treibt Sie in Ihrem Beruf als Journalist an?

Die Herausforderung, komplexe Sachverhalte in ihren Zusammenhängen zu verstehen, ihre Mechanik zu erklären bzw. zu hinterfragen und ihre Entwicklung zu verfolgen.

4. Wenn Sie Presseaussendungen zugeschickt bekommen, welche Themenfelder interessieren Sie da besonders und welche interessieren Sie überhaupt nicht?

Ich würde sagen Selbstbeweihräucherungs-Meldungen ohne Neuigkeitswert – nach dem Motto: „Machen wir doch wieder mal eine Presseaussendung“ – sind, themenunabhängig, entbehrlich.

5. Wie werden Sie im Berufsalltag am liebsten mit PR-Aussendungen, Informationen und Einladungen versorgt?

Erst- und Basisinformationen bekomme ich persönlich am liebsten per Mail. Bei weiteren Fragen ist es fein, eine/n verlässliche/n AnsprechpartnerIn zu haben.

6. An welchem Wochentag und zu welcher Tageszeit sind Sie in Ihrem Job am ehesten ansprechbar und wann sollte man Sie besser nicht kontaktieren?

Anrufe und Anfragen am sehr frühen (Montag-)Morgen sind nicht wirklich mein Fall. Wenn es sich einrichten lässt, gerne auch eine halbes Stündchen später…

7. Was können Sie in Zusammenhang mit PR-Agenturen gar nicht leiden?

Das konsequente Ignorieren von Blattlinien (und, ganz banal, von hoch aufgelöstem Bildmaterial für Print).

8. Können Sie sich an einen Fall erinnern, wo Sie sich ganz besonders über eine PR-Agentur oder PR-Stelle geärgert haben?

Einen Worst-Case lieferte eine heimische PR-Agentur: Im Rahmen einer Freigabe von Zitaten kam das ursprüngliche Interview nicht nur mit anderen Antworten retour, sondern auch gleich mit einer Reihe „zusätzlicher“ Fragen (samt Antworten) bestückt. Der Artikel ist nie erschienen. Möglicherweise musste sich der betroffene Kunde der PR-Agentur selbst interviewen.

9. Erinnern Sie sich auch an einen Fall, wo Sie sich ganz besonders über eine PR-Agentur oder eine PR-Stelle gefreut haben?

Glücklicherweise gibt es einige positive Beispiele – vor allem dann, wenn gehaltvolle Informationen im Interesse aller Beteiligten präzise, pointiert und schnell vermittelt werden.

10. Was zeichnet für Sie eine gute PR-Agentur oder einen guten PR-Berater aus?

Ein guter PR-Berater ist aus meiner Sicht jemand, der den Spagat zwischen den Interessen von Absendern, Empfängern und Vermittlern einer Botschaft ohne gröbere Verletzungen aller Beteiligten schafft – auch oder gerade im Kontext fluktuierender Rahmenbedingungen. Vielleicht eine „No-Na“-Erkenntnis aber unterm Strich das Happy-End der Geschichte.

11. Worauf sollten PR-Agenturen Ihrer Ansicht nach ihr Hauptaugenmerk in Sachen Medienarbeit legen?

Das Hauptaugenmerk sollte meines Erachtens darauf liegen, die Ausrichtung und Zielsetzung eines Mediums zu (er-)kennen und entsprechend zu versuchen, die Bedürfnisse der adressierten Rezipienten zu antizipieren – sprich die vermittelnden Journalisten im Hinblick darauf bestmöglich zu servicieren. Diesen Gedanken auch an die eigenen Kunden zu vermitteln, ist aus der Sicht der PR-BeraterInnen wohl keine einfache Übung.

12. Wie würden Sie Ihre Aufgabe bei Werbeplanung.at und „update“ charakterisieren?

Gestaltung und Weiterentwicklung der Medienmarken mit dem Anspruch auf Aktualität, Relevanz und Mehrwert – versetzt mit einem Schuss Idealismus und einer Prise fatalistischem Perfektionismus.

13. Wofür stehen Werbeplanung.at und „update“ in wenigen Worten und was macht sie als Medium unverwechselbar?

Das Online-Portal Werbeplanung.at und das Print-Magazin „update“ sind jene Qualitätsfachmedien hierzulande, die der digitalen „Disziplin“ in ihrer Breite, Tiefe und gesamtwirtschaftlichen Bedeutung Rechnung tragen wollen und Rechnung tragen.

14. Wenn Sie nicht Journalist wären, welchen Beruf würden Sie dann gerne ausüben?

In dem Fall würde ich gerne Kunstbücher verlegen und/oder einen Laden betreiben, der Café, Buchhandlung und Plattenladen kombiniert. Da diese Idee so neu nicht ist, bliebe als „Plan B“ noch Nationalpark-Rangerin.

Ad personam

Beruflicher Werdegang: Von 2004 bis 2007 ständige freie Redakteurin für die Manstein-Fachmedien „HORIZONT“, horizont.at und „BESTSELLER“ sowie ständige freie Mitarbeiterin Marketing & Kooperation im ORF-Landesstudio Salzburg. Von 2007 bis 2010 Redakteurin im Manstein Verlag in Perchtoldsdorf/Wien. Ab 2010 Freie Redakteurin Werbeplanung.at und „update“. Seit 2013 stellvertretende Chefredakteurin Werbeplanung.at und „update“.

Geburtsdatum: 18. November 1982

Hobbys: Küche, Kunst, Vintage, Vinyl

Lieblingsort in Österreich: Wien und Salzburg, Stadt und Land

Lieblingsort weltweit: New York City, Istanbul, Frankreich …

Lieblingsautor: Herbert Hufnagl, Ephraim Kishon…

Lieblingsgetränk: Kaffee, Spezi

Lieblingsessen: So gut wie alles 😉

Lieblingsfilm: James Bond-, Woody-Allen-, Alfred-Hitchcock-Filme …

Lieblingsschauspieler: „Columbo“ Peter Falk, Kabarettistin Monika Gruber …

Gudrun Wolfschluckner, stellvertretende Chefredakteurin von Werbeplanung.at und „update“: „Das Prinzip, nahe an den Dingen zu sein, aber gleichzeitig Distanz zu wahren, macht den Beruf spannend.“

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