02

Januar

2010

100. Geburtstag von Peter Drucker in Wien.Aus einer dummen Idee kann mit der nötigen Beharrlichkeit eine einzigartige Zusammenkunft von Weltgeltung werden. Menschen, die man sonst teuer einkauft für kurze Vorträge widmen sich zwei Tage lang aus Überzeugung dem Erbe Peter Druckers. Überstrahlt wurden sie jedoch von seiner Witwe Doris, die einen Eindruck von der Größe ihres 2005 verstorbenen Mannes live hinterließ.
C.K. Prahalad, Philip Kotler und Charles Handy sind Namen, die jeder Wirtschaftsstudent und Leser von Managementliteratur von Buchrücken kennt. Genau zum 100. Geburtstag am 19. November 2009 trafen sie alle in der Industriellenvereinigung in Wien zusammen. Zwei Tage lang wurde über die große Relevanz von Peter Druckers Lehren gerade in der heutigen weltwirtschaftlichen Situation diskutiert. Es herrschte vor allem Einigkeit darüber, dass ein Manager, der seinen Drucker gelernt und verstanden hat, nicht die Fehler gemacht hätte, die so viele Manager in den unterschiedlichsten Branchen gemacht haben.

What would Peter do?

Die Frage wurde zum rhetorischen Stehsatz in so vielen Vorträgen zu aktuellen Themen und so reflektierten alle, die ihn gekannt hatten über seine Weisheiten. Eine der wesentlichsten scheint die ständige Neugier und das Interesse an den anderen zu sein. Mit seiner konsequenten Art zu fragen und zuzuhören, statt zu dozieren, leitete er alle seine Zuhörer dazu an, selbst eine Lösung zu finden. So passt der Titel „Guru“, den er immer abgelehnt hatte, doch sehr gut. Auch sind die grundsätzlichen Ratschläge und Einschätzungen, die Peter Drucker in seiner sehr produktiven Tätigkeit als Consultant und Professor in unzähligen Werken entwickelt hat, von einer bestechenden Einfachheit. Damit sind sie viel umfassender anwendbar, als scheinbar maßgeschneiderte Lösungen, die dann doch nicht passen.

Um die Weisheiten zu den unterschiedlichen Bereichen und Lebenslagen erfassbar zu machen, arbeitet Dr. Elizabeth Haas-Edersheim an einem System ähnlich dem Periodensystem der Elemente, das als Open Source Projekt Drucker noch zugänglicher machen soll.

Doris Drucker und die Magie

Alleine die Möglichkeit, die die Familie Drucker der Austrian Drucker Society gegeben hat, den 100. Geburtstag in Wien zu feiern und die schiere Anwesenheit der 97jährigen (!) Dame, die in Kalifornien lebt, sind schon außergewöhnlich. Als sie dann noch das Podium erklimmt und in klaren Worten spricht, erscheint es schon etwas magisch zu werden. Die Lebensenergie der gebürtigen Deutschen, mit der Wiener Drucker in die USA ging, zeugt schon von einer besonderen Gabe. Als sie dann in ihrer geistreichen, witzigen, informativen Rede es vermochte, Peter Drucker noch klarer und persönlicher darzustellen, konnte man die Faszination, die so viele Redner der zwei Tage haben schienen, besser verstehen.

Peter Drucker hatte offensichtlich eine äußerst ausgeprägte emotionale und soziale Intelligenz, die von seinen 19 Jahren im Wien des frühen 20. Jahrhunderts stark geprägt war. Der intellektuelle Geist, der Wien in der Zeit umwehte, ganz besonders das erfolgreiche Bürgertum, hat einige Menschen hervorgebracht, die die Welt in einigen Bereichen ein Stück weitergedreht haben.

Jeder kann und muss managen

Druckers wichtigstes Werk ist wahrscheinlich seine Anleitung zur Selbstorganisation, die die Basis jeglichen Managements von größeren Organisationen bildet. Drucker war ein Humanist, der den Einzelnen stärken wollte und in der Vielzahl von Einzelnen den Erfolg von großen Organisationen sah.

Er hielt gar nichts von der Entwicklung einer eigenen Business-Ethik gar nichts, denn Ethik ist etwas Universielles, das auch und genauso in der Geschäftswelt gilt. Was hier unethisch wäre, muss es auch woanders sein und umgekehrt.

Für Drucker ist Management auch keine Wissenschaft, denn die operiert mit Zahlen und Formeln. Management ist eine „liberal art“, so wie die ärztliche oder priesterliche Praxis, die auf einer theoretischen Grundlage basiert. Die Ausgestaltung dieser Grundlage im konkreten Fall ist die große Kunst, die man aber eben nicht mathematisch vorausberechnen und einüben kann, sondern durch Anwendung einfacher Grundsätze erfahren muss. Der Erfolg so vieler Uni-Drop outs ist nur ein Hinweis auf die Richtigkeit seiner Annahmen.

Mehr über Peter Drucker

Als zentrale Anlaufstelle fungiert in Österreich die Drucker Society of Austria www.druckersociety.at, doch auch ein Blick auf Amazon zeigt gleich die Vielzahl an Werken.

Der Mitschnitt der Eröffnung steht hier zur Verfügung und Youtube bietet zahlreiche Videos vom 1. Drucker Dialog in Wien und Interviews mit Peter Drucker.

Der Klassiker, sein Standardwerk „Management“, erstmals 1973 erschienen, ist nun im Campus-Verlag ergänzt neu aufgelegt worden. Es ist der umfassende und klare Einstieg ins die Befassung mit Management und kann jedem aktiven und zukünftigen Manager empfohlen werden. Peter Drucker selbst hat sich noch in seinen 90ern mit e-learning auseinandergesetzt und so sollten es auch alle anderen halten und sich immer weiter bilden.

Das doppelbändige Buch im Schuber bietet auf 732 leicht und schnell lesbaren Seiten eine umfassende Abhandlung über die Geisteswissenschaft Management. Das eingebaute Lesezeichen zeigt schon, dass es sich hier um eine Arbeitsbuch handelt, das nicht in einem Zug konsumiert werden muss.

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